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Heizkörper Match-Race ISAF Grade 4 beim PSV1908

Heizkörper Match-Race ISAF Grade 4 beim PSV1908

 

Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende mit meinem Laser am Werlcup auf dem Scharmützelsee teilnehmen. Leider hatte die Mehrzahl meiner Mitstreiter es versäumt bis zum Meldeschluss ihre Meldung einzureichen und so wurde der Werlcup für die Laser Standards abgesagt. Die Enttäuschung war schon groß, schließlich wollte ich meinen Vorjahreserfolg (2.Platz) wiederholen, aus diesem Grund hatte ich auch alle Überlegungen an der gleichzeitig stattfindenden 20h Regatta auf dem Müggelsee teilzunehmen schnell ad acta gelegt. Und nun? Alle Vorfreude auf ein schönes Segelwochenende umsonst? Gartenarbeit?

 

 

Ein Anruf von Alexander Jürs (SV Neander) änderte alles. Alex, auch von der Absage des Werlcups betroffen, hatte mehr als nur eine Alternative. Er hatte eine Einladung zum Garde 4 Match-Race Event in Plön. Sven Meding (SC Rohrwall) und Peter Knauft (SC Rohrwall)  waren schon an Bord, gesucht wurde ein 4. Mann. Ich sagte sofort zu.

 

Am Freitagabend, 24.5.2013, trafen wir vier uns um 21:00 Uhr beim Plöner Segler-Verein und fühlten uns sofort wohl. Wir wurden überaus herzlich empfangen, die Gastfreundschaft in Plön dürfte schwer zu toppen sein. Nichts zu merken von spröden Nordlichtern. Spät in der Nacht bezogen wir unsere Ferienwohnung ganz in der Nähe. Bei einem Bier in der Küche um 2.00 Uhr klärten wir kurz die Aufgabenverteilung an Bord. Keine ganz einfache Aufgabe wenn vier Segler auf einem Boot segeln die eigentlich immer selbst steuern. Das „Team Berlin“ wurde von uns aufgeteilt in Helm: Peter Knauft, Spi/Main Trim: Sven Meding, Bow: Alexander Jürs und Pit: Jörg Nitschke.

 


Team Berlin: Jörg Nitschke, Peter Knauft, Alexander Jürs, Sven Meding (v.l.)

 

Der Helmsman ist der Steuermann, er sitzt an der Pinne und ist dafür verantwortlich das Boot schnell zu machen und die Manöver anzusagen. Er muss auch die beim Match Rache extrem anspruchsvolle Vorstartphase gestallten, das Belauern mit unzähligen Kringeln minutenlangen Dial-ups und fiesen Fallen im komplexen Regelwerk. Schnelle Entscheidungen sind gefragt bei Manövern auf engstem Raum. Peter hatte von uns vier die meiste Erfahrung darin, er wollte und bekam die Pinne. Sven als Main und Spi Trimmer übernahm die Großschot und auf der Vorwind den Spinnaker. Es ist bei den vielen schnellen Manövern insbesondere in der Vorstartphase für den Steuermann einfach nicht möglich die Großschot zu bedienen, das Schiff zu steuern und den Gegner in Schach zu halten. Bei unzähligen Wenden und Halsen im Sekundentakt ist der Maintrimmer gut beschäftigt. Außerdem unterstützt er den Steuermann bei taktischen Entscheidungen. Sven hatte auch die meiste Erfahrung beim Spinnaker trimmen, so bekam er diese Aufgabe. Der Bowman ist der Mann auf dem Vorschiff. Er setzt den Spinnakerbaum, zieht den Spinnaker hoch und hat bei einer Halse alle Hände voll zu tun den Spibaum in Luv anzuschlagen. Dabei muss er immer aufpassen nicht auszurutschen und über Bord zu gehen, zwischen Fallen, Vorstag und Mast über unter und hinter Fock und Schoten klettern und  letztendlich mit artistischen Einlagen an den Wanten den Gewichtstrimm des Bootes unterstützen. In unserem Fall kam unserm Bowman noch die Aufgabe zu die Großraumtaktik zu übernehmen. Er legte fest welche Seite bevorteilt ist und versorgte den Helmsman mit Informationen über einsetzende Böen und Winddreher, hielt die Leeline im Blick und entschied ob wir eine Überlappung hergestellt haben oder nicht. Und Alex ist ein Meister im Lesen des Wassers, ihm entgeht keine Bö und kein Dreher und er lag immer richtig. Er war im Nachhinein betrachtet ganz klar unsere Trumpfkarte. Mein Job war der des Pitman. Ich hatte die Vorschot zu bedienen, den „Upfucker „(an ihm hängt der Spinnakerbaum) hoch zu ziehen und runter zu lassen, den Niederholer zu bedienen, den Spinnaker raus zu wuchten und zu bergen die Fock runter zu lassen und zu setzen, Barberholer dicht und lose und was sonst noch so an dicht und lose möglich ist. Das möglichst alles gleichzeitig und ohne alles zu verknoten. Kurzum es war nass und kalt und ich habe geschwitzt. So jedenfalls hatten wir unsere Aufgaben an Bord aufgeteilt. Von alldem hatte ich aber als wir am Samstagvormittag auf das Schiff, stiegen keine Ahnung. Auch Alex hatte bei den ersten Spinnakermanövern große Schwierigkeiten mit seinem Job. Kein Wunder es war das erste Mal, dass er einen Spinnakerbaum in der Hand hatte. Wir sind vorher noch nie gemeinsam gesegelt. Die Trainingsmöglichkeit am Freitag konnten wir aus beruflichen Gründen nicht wahrnehmen. Eine steile Lernkurve war gefragt. Viel Zeit hatten wir nicht, stand doch das erste Rennen unmittelbar bevor. Gesegelt wurde auf Booten vom Typ Hunter 707, schnelle kleine sportliche Kielyachten aus England welche sich perfekt zum Match Race eignen.

Im ersten Rennen ging es bei leichtem Wind und Regen direkt gegen den Topfavoriten und späteren ungeschlagenen Gesamtsieger Lars Hückstädt vom Heizkörper Sailing Team. Vielleicht nicht unbedingt ein Nachteil, so fiel unsere Hauptlernphase in das am schwersten zu gewinnende Rennen. Viel geklappt hat dann auch nicht, von der Pinne bis zum Vorschiff reite sich Fehler an Fehler. Wir fuhren weit hinterher. Nach dem Rennen war die Stimmung erstmal gedrückt, aber unsere Lernkurve war steiler als das erste Rennen vermuten lies.

Nach einer Pause an Land, bei der wir durchschnaufen und alles aufarbeiten konnten, ging es gegen eine niederländische Mixed-Mannschaft. Wir verloren unseren Start, konnten aber durch kluge Taktik und immer besser werdende Manöver den Abstand verkürzen. Kurz vor der Ziellinie konnten wir unter Spinnaker dank einer klugen Seitenwahl den kleinen Vorsprung der Niederländer wett machen und vorbeiziehen. Wer hätte das gedacht, der erste Sieg.

Im dritten Rennen verloren wir gegen den späteren Gesamtzweiten, das Team Schliemann. Der Gegner war klar besser und zu allem Überfluss bekamen wir kurz vor der Luvtonne auch noch einen Penalty wegen Pumpens. Nach unserem Empfinden war noch alles in Ordnung, aber bei vier Laserseglern auf einem Boot ist so was vielleicht logisch.

 


Team Berlin (in Vordergrund) gegen Team Huyhn aus Hamburg

 

Im vierten Rennen gelang es uns nach verlorenem Start, durch die bessere Seitenwahl und eine schnelles Schiff, auf der Startkreuz schnell einen kleinen Vorsprung herauszusegeln. Und obwohl unser Gegner, das Team Huyhn aus Hamburg (Vorsitzender der Match-Race Vereinigung e.V.), an der letzten Luvmarke noch mal aufschließen konnte gelang uns der dritte Sieg.

 


Team Berlin (roter Spinnaker) gegen Team Huyhn aus Hamburg

 

In unserem letzten Rennen des Tages ging es gegen das Nachwuchsteam von Heizkörper Sailing, eine reine Damencrew. Ihnen hatten wir auch unsrer Einladung zu diesem Event zu verdanken. Peter konnte die Mädels zu einer Starttonnenberührung zwingen. So gingen wir mit dem Vorteil des Penalty gegen unsere Gegnerinnen als erste auf den Kurs. Wie immer lag Alex mit seiner Seitenwahl goldrichtig und wir konnten den Tag mit dem 3. Sieg im 5. Rennen beschließen. Niemand von uns hätte das nach dem ersten Rennen erwartet, selbst Peter guckte freundlich und zufrieden.

Am Abend gab es dann das Champions-League-Finale bei Gegrilltem und vielen erfrischenden Getränken. Wir haben uns gefühlt wie bei Freunden, die letzten sind erst in den frühen Morgenstunden schlafen gegangen. Am Sonntagmorgen gab es wieder reichlich Frühstück für alle, auch wenn der ein oder andere noch recht verschlafen dreinschaute.

Für uns standen noch zwei Rennen auf dem Programm. Zu erst ging es bei stärkerem Wind und fast ohne Regen gegen das polnische Team. Unsere Gegner erhielten wegen zu frühen Einfahrens in die Startzone einen Penalty schafften es aber uns durch ein gelungenes Manöver am Startschiff „abzustellen“. Wir verloren viel Fahrt und Zeit und das polnische Team konnte seinen Penalty mit einem Kringel auflösen und rettete am Ende einen knappen Vorsprung ins Ziel.

Im für uns letzten Rennen traten wir gegen das dänische Team an. Nach verlorenem Start konnten wir in einem knappen Rennen einen kleinen Fehler der Dänen an der Luvtonne nutzen und in Führung gehen, welche wir bis zum Ziel halten konnten. So standen 4 Siege in 7 Rennen zu Buche. Punktgleich mit den drittplazierten Polen wurden wir in der Endabrechnung sehr gute 4. bei unserem gemeinsamen Match Race Debüt als Team Berlin. Am Ende des Wochenendes wurden alle gefeiert und der Abschied fiel trotz schlechten Wetters schwer. Vielen Dank an alle Beteiligten, das Heizkörper Sailing Team, den PSV1908 und natürlich an meine Mitstreiter im Match Race Team Berlin. Nach ca. 400km Autofahrt zurück nach Berlin, wäre ich zu Hause angekommen am liebsten wieder umgekehrt und zurück nach Plön gefahren. Es war trotz des kalten Regenwetters ein perfektes Segelwochenende in Plön.


 

 

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